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Tourenplanung & Tourenoptimierung

gts-Tourenplanung ist Teil des Forschungsprojektes InkluServ.

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Die Angestellten der WEK Werkstätten Esslingen transportieren Waren für den inklusiven Lebensmittelmarkt „Um's Eck“ und das Café Morlock. Insbesondere ältere Menschen, denen die Einkäufe zu schwer sind, nehmen dieses Angebot gerne in Anspruch. Damit die Waren nicht ausschließlich „um´s Eck“ transportiert werden, soll der Radius nun ausgeweitet werden. Während die Kuriere zurzeit zu Fuß und mit einem Lastenfahrrad im Einsatz sind, sollen in Zukunft weitere Lasten-E-Bikes angeschafft und auch Streetscooter für den Transport genutzt werden.

Die WEK Werkstätten möchten dadurch das Liefergebiet, die Lieferaufträge und das Spektrum der gelieferten Produkte vergrößern, die Auslastung optimieren und noch mehr Angestellte mit Behinderung für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren. So profitieren nicht nur die Lieferboten, sondern auch die Angestellten in den Werkstätten und in der Kommissionierung von dem Projekt. 

Voraussetzungen für Teilnahme am Straßenverkehr schaffen

Unbekannte Strecken, Steigungen, hohes Verkehrsaufkommen und Orientierung können Menschen mit Behinderungen Schwierigkeiten verursachen. Diese müssen deshalb vorab analysiert werden. Aufgrund der spezifischen Anforderungen der behinderten Angestellten hinsichtlich der Verkehrstüchtigkeit und Sicherheit bedarf es technischer Unterstützung: sowohl in Form eines digitalen Assistenzsystems bei der Tourenplanung (unter Berücksichtigung der Einsatzrestriktionen für schwerbehinderte Auslieferungsfahrer) als auch während der Touren, z. B. durch Telematik-Systeme, Navigation und Notfall-Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Gruppenleiter. Bei der Tourenplanung kommt gts ins Spiel. Denn aus dem ursprünglichen WEK-Geschäftsmodell ist inzwischen das Forschungsprojekt InkluServ entstanden. 

Ehrgeiziges und spannendes Inklusionsprojekt

InkluServ ist Teilprojekt des Programms „Gestaltung digital unterstützter Interaktionsarbeit von schwerbehinderten Auslieferungsfahrern“. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. Projektpartner des dreijährigen Forschungsvorhabens sind die WEK Werkstätten Esslingen, das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und gts. Aufgrund der Erfahrungen mit Kunden aus der Sozialwirtschaft wurde gts zur Softwareentwicklung für die Tourenplanung und Navigation ins Boot geholt.

Die Aufgabe für gts besteht darin, eine barrierefreie Tourenplanung und Navigation für die Kuriere und Auslieferungsfahrer zu entwickeln und die integrierte Oberfläche zu programmieren, die die spezifischen Anforderungen von behinderten Menschen und den Unterstützungsbedarf berücksichtigt. Das Fraunhofer IAO ist aufgrund seiner Expertise im Bereich Dienstleistungsforschung und -entwicklung für die Analyse der Anforderungen der Interaktionsarbeit an die Beteiligten im Auslieferungsprozess, für die Entwicklung von Maßnahmen der Qualifizierung und Arbeitsgestaltung und für die begleitende Evaluation zuständig.

Ziele des Vorhabens InkluServ 

Vorrangiges Projektziel ist es, Menschen mit Schwerbehinderung für den ersten Arbeitsmarkt zu befähigen, also unter realen Wettbewerbsbedingungen tätig zu sein. Mithilfe des digitalen Assistenzsystems sollen schwerbehinderte Mitarbeiter befähigt werden, außerhalb der unmittelbaren Betreuungsbereiche der Werkstätten selbständig Interaktionsarbeit mit Kunden zu leisten. Durch den persönlichen Kundenkontakt erleben die Mitarbeiter als selbständig handelnde Persönlichkeit Wertschätzung und Anerkennung. Mittels Qualifizierung, Interaktionsarbeit und fähigkeitsunterstützende Assistenzsysteme sollen Inklusionsbarrieren, die aufgrund von Fähigkeitseinschränkungen entstehen, reduziert werden.

In Deutschland arbeiten rund 367.000 schwerbehinderte Menschen in Handel und Gastgewerbe und 310.000 in 683 Werkstätten für behinderte Menschen. Diese Arbeit ermöglicht die Inklusion in die Lebens- und Arbeitswelt von Nichtbehinderten, wie sie von der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird. Für eine Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt braucht es Infrastrukturen, Einrichtungen, Akzeptanz und nicht zuletzt auch moderne Technik, wie digitale Assistenzsysteme. Diese können Menschen mit Behinderung helfen, mobiler und unabhängiger zu sein, am Straßenverkehr teilzunehmen, körperliche und psychische Beeinträchtigungen auszugleichen und die Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern. Digitale Assistenzsysteme unterstützen schwerbehinderte Menschen, auch ohne Betreuung und außerhalb der Werkstätten zu arbeiten, in Falle der Auslieferer also selbstständig unterwegs zu sein und eigenständig Kunden zu beliefern. 

Neue Herausforderung für gts

Die Software, die gts entwickeln wird, umfasst die Module Tourenplanung und Navigation sowie die Schnittstellen zum Warenwirtschaftssystem und Webshop. Zunächst werden die Anforderungen der Kuriere und Auslieferungsfahrer analysiert und der Unterstützungsbedarf identifiziert. Diese Kriterien fließen in die Entwicklung des digitalen Assistenzsystems ein, z.B. durch Reduktion der Funktionalität und Vereinfachung des Bedienkonzepts. Die Herausforderung liegt auch darin, die Mitarbeiter auf neue Arbeitsschritte, neue Kunden und neue, teils wenig vorhersehbaren Anforderungssituationen, vorzubereiten. Um pünktlich die zugesagte Ware zu liefern und eine professionelle Warenzustellung zu gewährleisten, müssen Mitarbeiter geschult und qualifiziert werden. 

Neu ist für gts eine Tourenplanung, bei der Menschen mit Behinderung selbst aktiv auf Informationen der Tourenplanung und Navigation zugreifen. Dies bedeutet eine besondere Anforderungsqualität an die bewährten Softwaresysteme, denn bislang ist gts im Bereich der Tourenplanung für die Beförderung von Menschen mit Behinderung tätig. 

Tourenplanung und Navigation mit speziellen Kriterien

Die Tourenplanungssoftware wird eine Zuordnung der individuellen Anforderungen, wie z. B. Orientierungsfähigkeit, physische Kondition, psychische Belastbarkeit, Erholungszeiten, Erfahrung mit Strecken, Kunden und Touren, ermöglichen. Die Software berechnet dann individuelle Routenvorschläge auf Basis dieser spezifischen Kriterien. Dazu gehören z.B. die Berücksichtigung von Steigung und Gefälle oder die Sperrung von Wegen mit potenzieller Überforderung. 

Das Modul Navigation wird die Anbindung von Kartenmaterial (z.B. OpenStreetMap) und die Anpassung der Navigation an Erfordernisse der schwerbehinderten Auslieferungsfahrer (z.B. Ausschluss von Straßen/Wegen, die komplexe Orientierung erfordern, starke Steigung/Gefälle, stark befahrene Straßen) beinhalten. Das digitale Assistenzsystem wird über mobile Tablets genutzt. Wichtig ist bei der Entwicklung auch, eine barrierefreie Benutzungsoberfläche in einfacher Sprache und mit übersichtlicher Darstellung (Farben, Größen, Kontraste) zu berücksichtigen. 

Ausblick

Langfristig gesehen, möchte gts auf Basis des Know-how-Gewinns ein Angebot für inklusive Dienstleistungsunternehmen platzieren und auch im Bereich der Fahrradnavigation neue Schwerpunkte setzen. Angesichts der Mobilitätsdiskussion wollen die Entwickler bei gts alternative Distributionssysteme mit Fahrradnutzung für Menschen mit und ohne Behinderung erforschen. 
 

Das Vorhaben InkluServ wird im Rahmen des Programms „Gestaltung digital unterstützter Interaktionsarbeit von schwerbehinderten Auslieferungsfahrern“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. (Förderkennzeichen 02L18A222)

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